Kalkulation im Malerhandwerk
Stundenverrechnungssatz Maler und Lackierer berechnen
Das Gewerk mit dem höchsten Rüstzeitanteil. Abkleben und Abdecken ist die halbe Arbeit und steht auf keiner Rechnung.
- Praxisnah
- Unabhängig
- In wenigen Minuten
Mit den typischen Werten dieses Gewerks ergibt die Rechnung einen Angebotssatz zwischen81,77 € und109,52 € netto je Stunde. Die Spanne ist nicht abgeschrieben, sondern durchgerechnet: unten steht, aus welchen zwei Betriebsbildern sie entsteht.
Rechner mit den Vorgaben im Malerhandwerk
Dein kostendeckender Stundensatz
96,60 €
pro Stunde (netto)
Für Privatkunden mit Umsatzsteuer: 114,95 €
So bleibt dein Betrieb stark.
Deckungslücke
Annahmen
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1. Deine wichtigsten Werte
Nur die wichtigsten Angaben. Den Rest kannst du später anpassen.
Anteil der Anwesenheitszeit, für den keine Rechnung entsteht: Fahrzeiten, Rüst- und Räumzeiten, Materialbeschaffung, Angebote schreiben, Büro, Gewährleistung, Leerlauf. Übliche Angaben liegen zwischen 25 und 35 Prozent. Dieses eine Feld bewegt das Ergebnis stärker als alle Gemeinkosten zusammen.
Die tatsächliche Wochenarbeitszeit, nicht die vertragliche. Gerechnet wird intern mit dem Fünftel daraus je Arbeitstag.
Was am Monatsende für dich übrig bleiben soll. Nicht der Umsatz, nicht der Gewinn: das, was auf dein Privatkonto geht.
Nur die, die abrechenbare Stunden leisten. Büro und Leitung gehören in die Gemeinkosten.
Durchschnitt über alle produktiven Kräfte.
Solange du nicht selbst abrechenbar mitarbeitest, bist du Overhead. Wer diesen Posten weglässt, arbeitet unbezahlt und merkt es erst beim Jahresabschluss.
Für Rücklagen, Investitionen und das, was schiefgeht. Marktüblich sind zehn bis fünfzehn Prozent.
Arbeitszeit und Ausfall
Wie viele Stunden im Jahr überhaupt abrechenbar sind. Das ist der wirkungsvollste Teil der ganzen Rechnung, und der am häufigsten zu optimistisch geschätzte.
TageAuch als Solo: Tage, an denen nicht gearbeitet wird, sind Tage ohne Rechnung.
TageRealistisch schätzen. Der Durchschnitt liegt bei etwa zwölf bis fünfzehn Tagen.
TageGesetzliche Feiertage, die auf einen Werktag fallen. Je Bundesland neun bis dreizehn.
TageSchulungen, Herstellerzertifikate, Innungstermine.
TageTage ohne Arbeit, an denen niemand krank ist: Wetter, Auftragsflaute, Baustellenstillstand. Im Dachdeckerhandwerk ein eigener Block, in vielen Gewerken null.
Lohn und Vorsorge
Als Solo bezahlst du deine Sozialversicherung vollständig selbst, nicht zur Hälfte. Genau diese Hälfte fehlt in den meisten Bauchkalkulationen.
%Grober Aufschlag auf den Unternehmerlohn. Die genaue Zahl macht der Steuerberater.
EuroDer volle Beitrag, nicht der halbe. Das ist der Posten, der Soloselbstständige regelmäßig überrascht.
EuroFreiwillige Rentenversicherung, Versorgungswerk, private Vorsorge.
EuroIm Handwerk der wichtigste und am häufigsten fehlende Schutz.
Lohn und Vorsorge
Je produktivem Mitarbeiter. Der Bruttolohn ist nur etwa die Hälfte der Rechnung.
EuroUrlaubs- und Weihnachtsgeld, Prämien.
%Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Richtwert rund 21 Prozent.
%Lohnfortzahlung, Mutterschaft, Insolvenzgeld.
%Stark gewerkeabhängig. Elektro liegt niedrig, Dacharbeiten hoch. Die richtige Zahl steht im eigenen Beitragsbescheid.
EuroZuschüsse und vermögenswirksame Leistungen.
Gemeinkosten
Alles, was läuft, egal ob heute eine Rechnung entsteht. Lieber grob vollständig als genau lückenhaft.
EuroLeasing oder Abschreibung, Kraftstoff, Versicherung, Steuer, Wartung, Reifen.
EuroMiete und Nebenkosten. Bei Arbeit von zu Hause der anteilige Betrag.
EuroAbschreibung, Reparatur, Ersatz, Prüfung und Kalibrierung.
EuroBohrer, Klingen, Schleifmittel, Abdeckmaterial, Befestigung.
EuroBetriebshaftpflicht, Rechtsschutz, Inhalt, Elektronik.
EuroJahresabschluss, laufende Buchhaltung, Lohnabrechnung.
EuroHandwerkersoftware, Lizenzen, Mobilfunk, Anschluss.
EuroWebsite, Fahrzeugbeschriftung, Anzeigen, Drucksachen.
EuroMiete, Ausstattung, Material. Null, wenn das Büro in der Werkstatt steckt.
EuroAuch die jährliche Prüfung der Schutzausrüstung, wo sie vorgeschrieben ist.
EuroPflichtbeiträge und freiwillige Mitgliedschaften.
EuroKurse, Herstellerzertifikate, Fachliteratur, Normenzugang.
EuroZinsen für Kredite und Kontokorrent, auch für gebundenes Lagerkapital.
EuroEntsorgung, Beiträge, Bewirtung, alles ohne eigene Zeile.
Zuschläge
Ohne Gewinn ist der Betrieb keine Firma, sondern ein teures Hobby mit Steuernummer.
%Anteil des Umsatzes, der nie bezahlt wird. Üblich ein bis drei Prozent. Wird als Divisor gerechnet, nicht als Aufschlag: warum, steht auf der Seite Methodik.
%Für den Bruttosatz an Privatkunden. Als Kleinunternehmer nach Paragraf 19 UStG: null.
Freiwillig. Daraus entsteht die Deckungslücke.
EuroSo wird gerechnet
Jede Zwischensumme steht da. Wer sieht, wie gerechnet wurde, muss nicht glauben.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Werktage im Jahr365 Kalendertage abzüglich 104 Wochenendtage. | 261 Tage |
| Abzüglich Feiertage | -11 Tage |
| Abzüglich Urlaub | -30 Tage |
| Abzüglich Krankheit | -12 Tage |
| Abzüglich Weiterbildung | -3 Tage |
| Anwesenheitstage | 205 Tage |
| AnwesenheitsstundenAnwesenheitstage mal Stunden je Tag. | 1.640 h |
| Unproduktiver AnteilFahrt, Rüstzeit, Materialbeschaffung, Büro, Gewährleistung, Leerlauf. | 35 % |
| Produktivstunden je Kopf | 1.066 h |
| Produktivstunden gesamt | 1.066 h |
| Kalkulatorische PersonalkostenUnternehmerlohn samt Steuerpuffer, Kranken- und Pflegeversicherung in voller Höhe, Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit. | 65.700,00 € |
| Gemeinkosten | 24.400,00 € |
| Kosten gesamt | 90.100,00 € |
| Selbstkosten je ProduktivstundeKosten gesamt geteilt durch Produktivstunden gesamt. | 84,52 € |
| Gewinn- und Wagniszuschlag | 12 % |
| ForderungsausfallAls Divisor gerechnet, nicht als Aufschlag. Erklärung auf der Seite Methodik. | 2 % |
| Angebotsstundensatz netto | 96,60 € |
| Bruttosatz mit 19 Prozent UmsatzsteuerGilt für Privatkunden. Gewerbliche Kunden ziehen die Vorsteuer ab. | 114,95 € |
Wenn du weniger Stunden schaffst
Die Produktivstunden sind die unsicherste Zahl der ganzen Rechnung. Hier steht, was ein Irrtum kostet.
| Produktive Stunden je Kopf | Angebotssatz (netto) | Abweichung |
|---|---|---|
| 766 | 134,43 € | +39,2 % |
| 866 | 118,90 € | +23,1 % |
| 966 | 106,60 € | +10,4 % |
| 1.066Aktuell | 96,60 € | 0 % |
| 1.166 | 88,31 € | -8,6 % |
Das Ergebnis ist eine Kalkulationshilfe, keine Steuer- oder Rechtsberatung. Wie gerechnet wird und woher die Vorgabewerte kommen, steht auf Methodik.
Was dieses Gewerk kalkulatorisch besonders macht
Das Malerhandwerk ist der Extremfall dieser Kalkulation: Kein anderes Gewerk verliert so viel Zeit an Arbeiten, die zwar unverzichtbar sind, aber keine sichtbare Leistung erzeugen. Deshalb steht die Vorgabe auf dieser Seite bei fünfunddreißig Prozent, am oberen Rand der belegten Spanne.
Der Unterschied zu einem Elektriker ist aufschlussreich. Beide verlieren einen erheblichen Teil ihrer Anwesenheitszeit, aber der Elektriker verliert sie an Dokumentation, die er nach Feierabend erledigt, der Maler verliert sie auf der Baustelle mitten in der Arbeitszeit. Für die Kalkulation ist das dasselbe, für die Wahrnehmung nicht: Rüstzeit fühlt sich wie Arbeit an und wird deshalb besonders häufig als produktiv verbucht.
Daraus ergibt sich der praktische Rat, den dieser Rechner geben kann: Wer eine Woche lang ehrlich mitschreibt, wie viele Stunden tatsächlich an der Wand verbracht wurden und wie viele davor und danach, bekommt eine Produktivquote, die belastbarer ist als jeder Vorgabewert. Im Malerhandwerk lohnt sich diese Woche mehr als in jedem anderen Gewerk.
Die zweite Eigenheit ist die Saisonalität. Anders als beim Dachdecker, wo das Wetter Tage komplett ausfallen lässt, verschiebt es beim Maler eher die Auftragsart: Im Winter Innenräume, im Sommer Fassade. Das glättet den Umsatz, aber es glättet ihn nicht vollständig, und die Innenaufträge im Winter sind oft die kleinteiligeren mit dem höheren Rüstanteil.
Beim Material schließlich unterscheidet sich das Malerhandwerk von den installierenden Gewerken: Der Materialanteil ist hoch, die Einzelposten sind klein, und die Resteverwertung ist schlecht. Angebrochene Gebinde und angemischte Farbtöne sind nach dem Auftrag meist wertlos. Dieser Schwund gehört in den Materialaufschlag, nicht in den Stundensatz, aber er gehört irgendwohin.
Kostentreiber, die andere Gewerke nicht haben
- Rüstzeit ist hier keine Nebensache, sondern der Hauptposten
- Abkleben, Abdecken, Möbel rücken, Untergrund prüfen, am Ende alles wieder abnehmen und aufräumen: In vielen Innenaufträgen ist das die Hälfte der Zeit vor Ort. Der Kunde sieht gestrichene Wände und rechnet die Fläche gegen den Stundensatz. Wer diese Zeit nicht in die unproduktive Quote einrechnet oder sie nicht sichtbar abrechnet, arbeitet die halbe Baustelle umsonst.
- Das Wetter bestimmt den halben Jahresumsatz
- Fassade, Holzschutz und Außenlackierung gehen nur bei passender Witterung und Temperatur. Damit verteilt sich der Jahresumsatz nicht gleichmäßig, und die Fixkosten laufen im Winter weiter. Wer mit Jahresdurchschnitten rechnet, übersieht, dass ein verregneter Sommer nicht nachgeholt werden kann.
- Material als Deckungsbeitrag, nicht als durchlaufender Posten
- Farbe, Putz, Tapete, Abdeckmaterial: Der Materialanteil ist hoch, und mit ihm der Aufschlag. Beschaffung, Farbtonmischung, Lagerung, Resteverwertung und Gewährleistung auf das Material sind Leistungen, die bezahlt werden müssen. Material zum Einkaufspreis weiterzugeben ist im Malerhandwerk teurer als in fast jedem anderen Gewerk.
- Preisdruck durch Subunternehmerketten
- Kaum ein Gewerk steht so unter Druck durch Subunternehmer und Kolonnen. Das ändert nichts an der eigenen Kostenrechnung, aber es erhöht die Versuchung, den errechneten Satz zu unterbieten. Der Rechner sagt, wo die eigene Untergrenze liegt. Was darunter passiert, ist eine Finanzierungsentscheidung, keine Preisentscheidung.
Typische Kalkulationsfehler im Malerhandwerk
- Die Rüstzeit gilt als produktiv
- Das ist der teuerste Kalkulationsfehler dieses Gewerks. Wer acht Stunden auf der Baustelle war und acht Stunden als produktiv führt, obwohl drei davon Abdecken und Aufräumen waren, rechnet mit einem Drittel zu vielen Produktivstunden. Der Satz fällt damit um rund ein Drittel zu niedrig aus.
- Quadratmeterpreise aus dem Netz statt eigener Kalkulation
- Eine im Netz gefundene Spanne pro Quadratmeter enthält die Kostenstruktur eines fremden Betriebs. Sie kann als Plausibilitätsprüfung dienen, nie als Kalkulationsgrundlage. Der eigene Quadratmeterpreis entsteht aus dem eigenen Stundensatz und der eigenen Leistung pro Stunde, in dieser Reihenfolge.
- Die Wintermonate stehen in keiner Rechnung
- Wer im Winter weniger produktiv ist, hat nicht weniger Kosten, sondern weniger Stunden, auf die sich dieselben Kosten verteilen. Genau dafür ist die Produktivstundenzahl im Rechner da: Sie gehört auf den Jahreswert gesetzt, nicht auf den einer guten Sommerwoche.
Woher die Spanne oben kommt
Statt eine Marktspanne ohne Herkunft abzuschreiben, rechnet diese Seite zwei nachvollziehbare Betriebsbilder desselben Gewerks durch. Beide lassen sich im Rechner oben nachstellen.
| Solomaler, überwiegend Großflächen und Neubau, wenig Rüstaufwand je Auftrag. | 81,77 € |
|---|---|
| Solomaler mit kleinteiligen Privataufträgen, hoher Abdeck- und Anfahrtsanteil. | 109,52 € |
Häufige Fragen
- Zählt Abkleben und Abdecken als produktive Arbeitszeit?
- Nur wenn es abgerechnet wird. Fachlich ist es unverzichtbare Arbeit, kalkulatorisch ist es unproduktive Zeit, solange es in keiner Position auf der Rechnung auftaucht. Genau hier liegt der teuerste Fehler dieses Gewerks: Rüstzeit fühlt sich wie Arbeit an und wird deshalb besonders häufig als abrechenbar verbucht.
- Wie komme ich vom Stundensatz zum Quadratmeterpreis?
- In dieser Reihenfolge: erst der eigene Stundensatz aus diesem Rechner, dann die eigene Leistung in Quadratmetern pro Stunde für die jeweilige Arbeit, dann die Multiplikation. Ein im Netz gefundener Quadratmeterpreis enthält die Kostenstruktur eines fremden Betriebs und taugt allenfalls zur Plausibilitätsprüfung, nie als Grundlage.
- Soll ich Material zum Einkaufspreis weitergeben?
- Im Malerhandwerk ist das besonders teuer. Farbtonmischung, Beschaffung, Lagerung und vor allem der Schwund durch angebrochene Gebinde und angemischte Töne sind Leistungen und Verluste, die bezahlt werden müssen. Wer Material ohne Aufschlag weitergibt, verschenkt einen Deckungsbeitrag, der in diesem Gewerk erheblich ist.
- Wie rechne ich die schwachen Wintermonate ein?
- Nicht als niedrigeren Satz im Winter, sondern über die Produktivstunden. Die Zahl im Rechner ist ein Jahreswert. Wer sie aus einer guten Sommerwoche hochrechnet, verteilt die Jahreskosten auf zu viele Stunden. Die Kosten laufen im Januar weiter, die abrechenbaren Stunden nicht.
Verwandte Gewerke
- Dachdecker
Das einzige Gewerk hier, bei dem das Wetter eigene Ausfalltage erzeugt. Dazu der höchste Beitrag zur Berufsgenossenschaft.
- Elektriker
Viel Dokumentation, teure Messtechnik mit Prüfpflicht, ein Normenwerk auf Abonnement.
- Heizungs- und Sanitärbetrieb
Bereitschaft, die niemand bezahlt, ein Fahrzeug voller gebundenem Kapital, Herstellerzertifikate im Jahresabo.
Alle Gewerke nebeneinander: Stundensätze nach Gewerk im Vergleich. Wie gerechnet wird: Methodik. Zurück zumallgemeinen Rechner.
