Kalkulation des Elektrikers
Stundenverrechnungssatz Elektriker berechnen
Viel Dokumentation, teure Messtechnik mit Prüfpflicht, ein Normenwerk auf Abonnement.
- Praxisnah
- Unabhängig
- In wenigen Minuten
Mit den typischen Werten dieses Gewerks ergibt die Rechnung einen Angebotssatz zwischen75,51 € und98,76 € netto je Stunde. Die Spanne ist nicht abgeschrieben, sondern durchgerechnet: unten steht, aus welchen zwei Betriebsbildern sie entsteht.
Rechner mit den Vorgaben des Elektrikers
Dein kostendeckender Stundensatz
85,48 €
pro Stunde (netto)
Für Privatkunden mit Umsatzsteuer: 101,72 €
So bleibt dein Betrieb stark.
Deckungslücke
Annahmen
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1. Deine wichtigsten Werte
Nur die wichtigsten Angaben. Den Rest kannst du später anpassen.
Anteil der Anwesenheitszeit, für den keine Rechnung entsteht: Fahrzeiten, Rüst- und Räumzeiten, Materialbeschaffung, Angebote schreiben, Büro, Gewährleistung, Leerlauf. Übliche Angaben liegen zwischen 25 und 35 Prozent. Dieses eine Feld bewegt das Ergebnis stärker als alle Gemeinkosten zusammen.
Die tatsächliche Wochenarbeitszeit, nicht die vertragliche. Gerechnet wird intern mit dem Fünftel daraus je Arbeitstag.
Was am Monatsende für dich übrig bleiben soll. Nicht der Umsatz, nicht der Gewinn: das, was auf dein Privatkonto geht.
Nur die, die abrechenbare Stunden leisten. Büro und Leitung gehören in die Gemeinkosten.
Durchschnitt über alle produktiven Kräfte.
Solange du nicht selbst abrechenbar mitarbeitest, bist du Overhead. Wer diesen Posten weglässt, arbeitet unbezahlt und merkt es erst beim Jahresabschluss.
Für Rücklagen, Investitionen und das, was schiefgeht. Marktüblich sind zehn bis fünfzehn Prozent.
Arbeitszeit und Ausfall
Wie viele Stunden im Jahr überhaupt abrechenbar sind. Das ist der wirkungsvollste Teil der ganzen Rechnung, und der am häufigsten zu optimistisch geschätzte.
TageAuch als Solo: Tage, an denen nicht gearbeitet wird, sind Tage ohne Rechnung.
TageRealistisch schätzen. Der Durchschnitt liegt bei etwa zwölf bis fünfzehn Tagen.
TageGesetzliche Feiertage, die auf einen Werktag fallen. Je Bundesland neun bis dreizehn.
TageSchulungen, Herstellerzertifikate, Innungstermine.
TageTage ohne Arbeit, an denen niemand krank ist: Wetter, Auftragsflaute, Baustellenstillstand. Im Dachdeckerhandwerk ein eigener Block, in vielen Gewerken null.
Lohn und Vorsorge
Als Solo bezahlst du deine Sozialversicherung vollständig selbst, nicht zur Hälfte. Genau diese Hälfte fehlt in den meisten Bauchkalkulationen.
%Grober Aufschlag auf den Unternehmerlohn. Die genaue Zahl macht der Steuerberater.
EuroDer volle Beitrag, nicht der halbe. Das ist der Posten, der Soloselbstständige regelmäßig überrascht.
EuroFreiwillige Rentenversicherung, Versorgungswerk, private Vorsorge.
EuroIm Handwerk der wichtigste und am häufigsten fehlende Schutz.
Lohn und Vorsorge
Je produktivem Mitarbeiter. Der Bruttolohn ist nur etwa die Hälfte der Rechnung.
EuroUrlaubs- und Weihnachtsgeld, Prämien.
%Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Richtwert rund 21 Prozent.
%Lohnfortzahlung, Mutterschaft, Insolvenzgeld.
%Stark gewerkeabhängig. Elektro liegt niedrig, Dacharbeiten hoch. Die richtige Zahl steht im eigenen Beitragsbescheid.
EuroZuschüsse und vermögenswirksame Leistungen.
Gemeinkosten
Alles, was läuft, egal ob heute eine Rechnung entsteht. Lieber grob vollständig als genau lückenhaft.
EuroLeasing oder Abschreibung, Kraftstoff, Versicherung, Steuer, Wartung, Reifen.
EuroMiete und Nebenkosten. Bei Arbeit von zu Hause der anteilige Betrag.
EuroAbschreibung, Reparatur, Ersatz, Prüfung und Kalibrierung.
EuroBohrer, Klingen, Schleifmittel, Abdeckmaterial, Befestigung.
EuroBetriebshaftpflicht, Rechtsschutz, Inhalt, Elektronik.
EuroJahresabschluss, laufende Buchhaltung, Lohnabrechnung.
EuroHandwerkersoftware, Lizenzen, Mobilfunk, Anschluss.
EuroWebsite, Fahrzeugbeschriftung, Anzeigen, Drucksachen.
EuroMiete, Ausstattung, Material. Null, wenn das Büro in der Werkstatt steckt.
EuroAuch die jährliche Prüfung der Schutzausrüstung, wo sie vorgeschrieben ist.
EuroPflichtbeiträge und freiwillige Mitgliedschaften.
EuroKurse, Herstellerzertifikate, Fachliteratur, Normenzugang.
EuroZinsen für Kredite und Kontokorrent, auch für gebundenes Lagerkapital.
EuroEntsorgung, Beiträge, Bewirtung, alles ohne eigene Zeile.
Zuschläge
Ohne Gewinn ist der Betrieb keine Firma, sondern ein teures Hobby mit Steuernummer.
%Anteil des Umsatzes, der nie bezahlt wird. Üblich ein bis drei Prozent. Wird als Divisor gerechnet, nicht als Aufschlag: warum, steht auf der Seite Methodik.
%Für den Bruttosatz an Privatkunden. Als Kleinunternehmer nach Paragraf 19 UStG: null.
Freiwillig. Daraus entsteht die Deckungslücke.
EuroSo wird gerechnet
Jede Zwischensumme steht da. Wer sieht, wie gerechnet wurde, muss nicht glauben.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Werktage im Jahr365 Kalendertage abzüglich 104 Wochenendtage. | 261 Tage |
| Abzüglich Feiertage | -11 Tage |
| Abzüglich Urlaub | -30 Tage |
| Abzüglich Krankheit | -12 Tage |
| Abzüglich Weiterbildung | -3 Tage |
| Anwesenheitstage | 205 Tage |
| AnwesenheitsstundenAnwesenheitstage mal Stunden je Tag. | 1.640 h |
| Unproduktiver AnteilFahrt, Rüstzeit, Materialbeschaffung, Büro, Gewährleistung, Leerlauf. | 25 % |
| Produktivstunden je Kopf | 1.230 h |
| Produktivstunden gesamt | 1.230 h |
| Kalkulatorische PersonalkostenUnternehmerlohn samt Steuerpuffer, Kranken- und Pflegeversicherung in voller Höhe, Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit. | 65.700,00 € |
| Gemeinkosten | 26.300,00 € |
| Kosten gesamt | 92.000,00 € |
| Selbstkosten je ProduktivstundeKosten gesamt geteilt durch Produktivstunden gesamt. | 74,80 € |
| Gewinn- und Wagniszuschlag | 12 % |
| ForderungsausfallAls Divisor gerechnet, nicht als Aufschlag. Erklärung auf der Seite Methodik. | 2 % |
| Angebotsstundensatz netto | 85,48 € |
| Bruttosatz mit 19 Prozent UmsatzsteuerGilt für Privatkunden. Gewerbliche Kunden ziehen die Vorsteuer ab. | 101,72 € |
Wenn du weniger Stunden schaffst
Die Produktivstunden sind die unsicherste Zahl der ganzen Rechnung. Hier steht, was ein Irrtum kostet.
| Produktive Stunden je Kopf | Angebotssatz (netto) | Abweichung |
|---|---|---|
| 930 | 113,06 € | +32,3 % |
| 1.030 | 102,08 € | +19,4 % |
| 1.130 | 93,05 € | +8,8 % |
| 1.230Aktuell | 85,48 € | 0 % |
| 1.330 | 79,05 € | -7,5 % |
Das Ergebnis ist eine Kalkulationshilfe, keine Steuer- oder Rechtsberatung. Wie gerechnet wird und woher die Vorgabewerte kommen, steht auf Methodik.
Was dieses Gewerk kalkulatorisch besonders macht
Das Elektrohandwerk hat ein Kalkulationsprofil, das sich von den meisten Bauhandwerken unterscheidet: wenig Rüstzeit, wenig Materialschlepperei, dafür viel Papier und teure Messtechnik. Wer die Kalkulationsvorlage eines Malers oder Dachdeckers übernimmt, liegt bei der Gemeinkostenstruktur systematisch daneben.
Der auffälligste Unterschied liegt beim unproduktiven Anteil. Ein Maler verliert ihn an Abkleben und Abdecken, ein Dachdecker ans Wetter, ein Elektriker an Dokumentation. Das Ergebnis ist ähnlich hoch, die Ursache ist eine völlig andere, und deshalb sind auch die Gegenmittel andere. Rüstzeit lässt sich durch Organisation verkürzen, eine gesetzlich verlangte Prüfdokumentation nicht.
Die zweite Besonderheit ist die Haftung. Ein elektrischer Fehler führt nicht zu einem Sachschaden, sondern möglicherweise zu einem Personenschaden. Das schlägt sich in der Betriebshaftpflicht nieder und rechtfertigt einen höheren Ansatz bei den Versicherungen, als ihn eine allgemeine Handwerksvorlage vorsieht.
Positiv wirkt der Gefahrtarif der Berufsgenossenschaft: Das Elektrohandwerk liegt dort deutlich günstiger als die Bauberufe. Wer eine Vorlage aus dem Baubereich übernimmt, rechnet sich an dieser Stelle künstlich teuer, was in der Gegenrichtung genauso falsch ist wie eine zu niedrige Annahme.
Für die Kalkulation heißt das im Ergebnis: Der unproduktive Anteil gehört bei ehrlicher Betrachtung eher an das obere Ende der üblichen Spanne, die Berufsgenossenschaft an das untere, und der Gemeinkostenblock enthält zwei Posten, die andere Gewerke nicht haben, nämlich Kalibrierung und Normenzugang.
Kostentreiber, die andere Gewerke nicht haben
- Messtechnik, die selbst zur Prüfung muss
- Installationstester, Zangenamperemeter, Isolationsmessgerät und Netzanalysator sind nicht nur in der Anschaffung teuer, sie müssen regelmäßig kalibriert werden. Ein Gerät in der Kalibrierung ist ein Gerät, das nicht arbeitet, und die Kalibrierung selbst ist eine Rechnung. Beides gehört in die Gemeinkosten, beides wird regelmäßig vergessen.
- Das Normenwerk als laufende Rechnung
- Die VDE-Normen, nach denen gearbeitet wird, sind kostenpflichtig und ändern sich. Wer aktuell bleiben will, zahlt dafür jedes Jahr, und zwar spürbar. Das ist ein Posten, den kaum ein Gemeinkostenformular vorsieht, weil ihn die meisten anderen Gewerke nicht kennen.
- Dokumentation ist Pflicht und meist unbezahlt
- Mess- und Prüfprotokolle, Anlagendokumentation, Übergabeprotokoll: Das ist rechtlich verlangte Arbeit, die selten auf der Rechnung steht. Sie ist damit unproduktive Zeit im Sinne dieser Kalkulation, und sie ist der Grund, warum der unproduktive Anteil im Elektrohandwerk höher liegt, als das geringe Maß an Rüstzeit vermuten ließe.
- Weiterbildung, die nicht freiwillig ist
- Ladeinfrastruktur, Photovoltaik, Speicher, Gebäudeautomation: Jedes dieser Felder verlangt eine eigene Qualifikation, und ohne sie fällt ein wachsender Teil der Aufträge weg. Weiterbildung ist hier kein Nice-to-have im Gemeinkostenblock, sondern die Eintrittskarte in den Markt der nächsten fünf Jahre.
Typische Kalkulationsfehler des Elektrikers
- Die Protokollzeit läuft als produktiv mit
- Wer abends eine Stunde Messprotokolle schreibt und diese Stunde in der Kalkulation als abrechenbar führt, senkt seinen Satz um genau diesen Anteil. Bei 200 Stunden Dokumentation im Jahr sind das rund fünfzehn Prozent der Produktivzeit und damit ein zweistelliger Eurobetrag pro Stunde.
- Der Photovoltaik-Boom wird als Dauerzustand kalkuliert
- Eine Auftragslage, die auf Förderpolitik beruht, ist keine Grundlage für einen Stundensatz. Wer seine Produktivstunden am besten Jahr ausrichtet, kalkuliert für ein Jahr, das so nicht wiederkommt. Der Satz muss auch das Jahr danach tragen.
- Der Konzessionsträger steht nirgends
- Im eingetragenen Betrieb hängt die Eintragung an einer Person. Deren Zeit für Eintragung, Fortbildung und Verantwortung ist Overhead und gehört in die Gemeinkosten, auch wenn diese Person gleichzeitig produktiv mitarbeitet.
Woher die Spanne oben kommt
Statt eine Marktspanne ohne Herkunft abzuschreiben, rechnet diese Seite zwei nachvollziehbare Betriebsbilder desselben Gewerks durch. Beide lassen sich im Rechner oben nachstellen.
| Soloelektriker ohne Werkstatt, Fahrzeug als Lager, Grundausstattung an Messtechnik. | 75,51 € |
|---|---|
| Soloelektriker mit Werkstatt und Lager, vollständige Messtechnik mit Kalibrierung, Normenzugang. | 98,76 € |
Häufige Fragen
- Warum liegt mein Stundensatz so viel höher als der Stundenlohn meines Gesellen?
- Weil der Bruttolohn nur etwa die Hälfte der Rechnung ist. Dazu kommen Arbeitgeberanteil, Umlagen und Berufsgenossenschaft, und vor allem verteilt sich der Jahreslohn nicht auf 2.080 bezahlte Stunden, sondern auf rund 1.200 abrechenbare. Allein diese beiden Effekte verdoppeln den Betrag, bevor ein einziger Euro Gemeinkosten oder Gewinn darin steckt.
- Zählt die Zeit für Mess- und Prüfprotokolle als produktive Stunde?
- Nur wenn sie auf der Rechnung steht. In der Praxis wird die Dokumentation fast nie gesondert abgerechnet, sie ist also unproduktive Zeit im Sinne dieser Kalkulation. Das ist kein Werturteil über ihre Wichtigkeit, sondern eine Frage danach, wer sie bezahlt. Wer 200 Stunden im Jahr dokumentiert und diese Stunden als abrechenbar führt, senkt seinen Satz um rund fünfzehn Prozent.
- Muss die Kalibrierung der Messgeräte wirklich in die Kalkulation?
- Ja, an zwei Stellen. Die Kalibrierung selbst ist eine Rechnung und gehört zu Werkzeug und Maschinen. Die Zeit, in der ein Gerät nicht verfügbar ist, kann zusätzlich Ersatzbeschaffung erzwingen. Beides sind reale Kosten, die kein allgemeiner Kalkulationsbogen vorsieht, weil kein anderes Gewerk sie in dieser Form hat.
- Wie wirkt sich die Eintragung in die Handwerksrolle auf den Stundensatz aus?
- Der eingetragene Betrieb braucht einen Konzessionsträger, und dessen Zeit für Fortbildung, Verantwortung und Eintragung ist Overhead. Sie gehört in die Gemeinkosten, auch wenn dieselbe Person daneben produktiv arbeitet. Wer das weglässt, lässt die Qualifikation unbezahlt, die überhaupt erst den Marktzugang schafft.
Verwandte Gewerke
- Heizungs- und Sanitärbetrieb
Bereitschaft, die niemand bezahlt, ein Fahrzeug voller gebundenem Kapital, Herstellerzertifikate im Jahresabo.
- KFZ-Werkstatt
Wenig Fahrzeit, dafür eine Werkstatt voller Abschreibung und Softwarelizenzen, die jedes Jahr wiederkommen.
- Maler und Lackierer
Das Gewerk mit dem höchsten Rüstzeitanteil. Abkleben und Abdecken ist die halbe Arbeit und steht auf keiner Rechnung.
Alle Gewerke nebeneinander: Stundensätze nach Gewerk im Vergleich. Wie gerechnet wird: Methodik. Zurück zumallgemeinen Rechner.
